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FRAU KIEBIG-STELZ
In:
„Die Kirchenpräsidentin“
Aufführung im Rahmen der Festlichkeiten zu 475 Jahren Protestation in Speyer am
4. September 2004 – Straßentheater.
Die Frauen der Pfälzischen Landeskirche sind nicht gerade zufrieden mit der Tatsache, dass die Protestation zwar auf ihrem Boden stattgefunden hat, es aber bis heute keine einzige Kirchenpräsidentin gegeben hat. An diesem Punkt ist die Reformation noch nachzubessern. Und so dachten sie sich, eine Clownin solle vorwegnehmen, was bald hoffentlich auch Wirklichkeit ist.
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Zunächst kommt allerdings niemand Geringeres als Frau Kiebig-Stelz, extra angereist aus Hamburg, um die Kirchenpräsidentin life zu erleben. Sie kündigt sie an, einmal, zweimal, dreimal, lässt sie sogar suchen, aber: keine Kirchenpräsidentin in Sicht. Ob sie sich wohl unters Volk gemischt hat? Zumindest outet sie sich nicht, auch nicht bei gründlichem Nachfragen.
Doch da, plötzlich, eine Stimme wie von oben: „Ich habe dich auserwählt, noch bevor du im Mutterleib gebildet warst. Du bist die Protestatio!“
Da hilft keine Widerrede, nicht die besten Argumente, Frau Kiebig-Stelz wird zur Protestatio, dieser weiblichen Verkörperung der Reformation, die in der Gedächtniskirche zu Speyer hoch über der Tür vor der Sakristei zum Altarraum wacht und alle Predigerinnen und Prediger ermahnt, sich auf die reformatorischen Wahrheiten zu besinnen. Nun, frei nach dem Grundsatz „ecclesia semper reformanda“ trägt die Protestatio ihre aktualisierten reformatorischen Thesen vor, die schließlich eingeholt, wenn nicht gar überholt werden von wem? Natürlich von der Kirchenpräsidentin! Da ist sie also doch, zumindest eine ihrer möglichen Verkörperungen, und die ist tough, effektiv, strong und strange. Aber wie soll eine geschlechterbewusste Kirchenpräsidentin angesichts leerer werdender Kassen und Kirchen, der Ökonomisierung von Inhalten und Strukturen, angesichts neuer Fundamen-talismen und unkirchlicher Religiositäten auch sein, und vor allem: er soll es sein?
Ein Stück zu Kirche und Amt, ein Stück feministischer Ekklesiologie.
Dauer: ca. 30 Minuten |
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